Geld verdienen mit Handarbeiten

Keine Frage, Handarbeiten sind wieder “in”. Prominente stricken um die Wette, StudentInnen häkeln zwischen und während den Vorlesungen, Ärzte loben die gesundheitsfördernde Wirkung der “meditativen Aspekte” von Handarbeit, und Mütter wie Omas staunen nicht schlecht über den unerwarteten Kursanstieg ihrer handwerklichen Ratschläge bei Töchtern und Enkelinnen. Bei weckt mit dem allgemeinen Interesse an Handarbeiten neben neuem Selbstbewusstsein auch Ideen, mit dem kreativem Zeitvertreib in einen Nebenverdienst zu erwirtschaften oder gar – wer weiss – irgendwann auch den Lebensunterhalt damit bestreiten zu können. Früher, als Handarbeit ein Nischenthema war und bevor der Boom zu Selbstgemachtem in Internet losrollte, bedeutete das Vorhaben mit Handarbeiten Geld zu verdienen ein nicht unbeträchtliches Maß an zusätzlich investierter Zeit und Energie: Verkaufsstand für den Flohmarkt organisieren, Unkosten für Standmiete, An- und Abfahrt, Etiketten, Besuche von Geschäften und Vereinen. Es musste an vieles gedacht werden, was mit der eigentlichen Erstellung des Sortiments an Werkstücken wenig zu tun hatte.
Seitdem hat sich einiges getan, und es gibt viele neue Optionen, die seinerzeit niemand für möglich hielt. Um die Jahrtausendwende kam zunächst ebay – ein Internet “Marktplatz” (oder besser Flohmarkt?) auf dem sich neben vielem anderen auch Handarbeiten verkaufen liessen. Dort kam die Online-Nachfrage nach Anleitungen zu Handarbeiten im Internet erstmals richtig in Schwung und viele Veteraninnen arbeiten noch heute damit. Die “Wende” brachte dann ab ca. 2005/06 der Erfolg von auf Selbstgemachtes spezialisierten Portalen wie etsy.com, in denen man sich nach Anmeldung einen eigenen Shop einrichten kann. Kam man anfangs in diesen Portalen ohne Englischkenntnisse nur mühselig vorwärts, gibt es heute grosse deutsche Nutzergemeinden bei ravelry.com oder gänzlich deutschsprachige Portale wie de.dawanda.com. Einer der grössten Pluspunkte dieser Plattfomen ist, dass Interessierte, die dort hineinschauen, nicht nach Stangenware sondern ausdrücklich nach Selbstgemachtem suchen, mal ganz abgesehen von dem Spass, den man beim Entdecken der vielen tollen Werkstücke und beim Austausch mit Gleichgesinnten hat.
Bei den meisten erfolgreichen NutzerInnen auf diesen Portalen beobachtet man eine Spezialisierung auf einen bestimmten Bereich und oder ein Verkaufskonzept. Mit der Wahl des desselben sollte frau sich ruhig viel Zeit nehmen – denn mit Topflappen allein gestaltet sich der der Weg zum Erfolg eher steinig. Auch bei den angeblich zeitlosen Handarbeiten gibt es so etwas wie Trends, und frau sollte versuchen, hierfür ein Gespür zu entwickeln. Geschmackvolle und praktische Umstandsmode zum Beispiel ist nach Meinung vieler Frauen in Deutschland nach wie vor Mangelware, und derzeit weist das Barometer deutlich in Richtung Maßanfertigungen oder eben auch Selbstgemachtem. Gehäkelte Still BHs etwa wären sicher ein interessanter Ansatz. Und zu Produkten wie “Wickeltaschen für Sie” liesse sich sicher ergänzend eine “Wickeltasche für Ihn” entwerfen – oder zumindest für “Sie und Ihn”, denn schliesslich ist das Wickeln heutzutage ja nicht mehr nur Frauensache. Nebenbei: auf der Suche nach Trends und originellen Ideen kann sich ein Besuch auf dem einen oder anderen Werbeartikel Blog durchaus als lohnend erweisen – bei vielen der dort gezeigten Artikel zählt die Idee mindestens genauso viel wie die Verarbeitung, und bei der Suche nach einer originellen Umsetzung mit handarbeitlichen Mitteln lässt sich oft ungeahnt Neues hervorbringen.

Zu bemerken bliebe noch, dass sich zum Wohle der Bodenhaftung bei der Planung ein kleines Gespräch mit dem Finanzamt oder einem guten Steuerberater als meistens als ausgesprochen nützlich herraus stellt- und zwar noch vor dem Umstieg vom Hobby zur Nebenbeschäftigung. Das deutsche Einkommensteuergesetz unterscheidet zwischen verschiedenen Arten von Nebenverdiensten – bei Arbeitnehmern, Selbständigen, Studenten und Hausfrauen liegt der Fall jedes mal anders, die entsprechenden Regelungen werden häufig geändert oder können in der Praxis lokal etwas voneinander abweichen. Unter dem Strich steht aber wie immer die alte Weisheit:  wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

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