Häkeln rund um die Uhr

Guerilla Crochet, Guerilla Knitting und Yarn Bombs sind angesagt – seit rund einem Jahr treffen sich handarbeitswütige Männer und Frauen in allen größeren Städten der Welt, um Parkbänke, Parkscheinautomaten, Laternenpfähle und Bäume zu umstricken. Der öffentliche Raum wird nicht mehr mit Sprühdosen farbig bearbeitet, sondern mit bunten Garnen im Zopfmuster, im Norwegerstil oder mit Bommeln und Troddeln eingestrickt oder gehäkelt. Auch bekannte Denkmäler wie die Charging Bull Skupltur an der New Yorker Wall Street bleiben dabei nicht verschont. Das sieht witzig aus und bringt Farbe in die Stadt – auf nachhaltige Art und Weise, denn erstens bringen die Stricker/-innen eigene Wollreste mit und zweitens lassen sich die Kunstwerke mit einer Schere und ohne Chemikalien wieder entfernen.

Guerilla Crochet weckt kreative Geister und schärft den Blick für immer neue Häkelideen, auch zu Hause. Es gibt nichts, was man nicht häkeln, umhäkeln oder mit gehäkelter Zierde versehen kann. Wie wäre es zum Beispiel mit einer selbstgehäkelten Wanduhr? Das hört sich schwieriger an als es ist. Uhren sind ebenso originelle wie dankbare Häkelprojekte, denn sie lassen viel Raum für kreative Ideen. In erster Linie geht es um die Erstellung und Gestaltung des Ziffernblatts und des äusseren Randes, das Uhrwerk selbst stammt von ausrangierten Weckern oder aus Bastelgeschäften. Anregungen und eine große Auswahl an Zeigern findet man bei Anbietern von Bausätzen zum Uhren selber bauen und entsprechenden Anleitungen. Das Grundprinzip zum Häkeln des Ziffernblattes ist das gleiche wie beim Topflappen:  Ein paar Luftmaschen, zum Ring geschlossen, dann Reihe um Reihe immer etwas zunehmen, bis ein rundes Objekt daraus wird. Fortgeschrittene verzieren das Resultat an den Rändern mit gehäkelter Spitze, wechseln nach jeweils einer Runde die Farbe oder häkeln Streifenmuster ein. Dicke Objekte entstehen, wenn zwei solcher gehäkelter Kreise in der Mitte und am äußeren Rand zusammengenäht oder -gehäkelt werden.

Es gibt wunderschöne Bilder von gehäkelten Uhren im Internet. Anleitungen dazu gibt es auch, mal mehr und mal weniger detailliert – die beste und ausführlichste davon steht auf dem Blog von Matt Farci. Vom Prinzip her handelt es sich dabei immer um Anleitungen für “fortgeschrittene Topflappen” und/oder Spitzendeckchen. Wer Fantasie hat, entwickelt ein eigenes Design und macht sich von den vielen Vorbildern frei. Der fertig gehäkelte und sauber abgeschlossene Kreis aus dünnem Garn (man kann auch Bast, Sisal, Paketschnur, Geschenkband, Blumendraht und ähnliches verwenden) wird entweder auf einen Kreis aus Pappe in der gleichen Größe und korrespondierender Farbe aufgeklebt oder mit einem Lack besprüht, so dass er formstabil wird. Uhrwerk und Zeiger werden eingesetzt, und das Gebilde kann verziert werden. Danach obliegt es dem persönlichen Geschmack, ob man Knöpfe annäht, Häkelblümchen aufsetzt, Zahlen aus Luftmaschenschnüren anklebt oder anders verziert. Ziffernblätter aus filigranem Muster, die an Spitzendeckchen angelehnt sind, sollten auf jeden Fall wenig verziert werden – sonst geht das Muster verloren. Farbliche Kontraste zwischen Hintergrund und Häkelmuster sind prima, aber es gibt auch schöne Möglichkeiten, das Ziffernblatt in sich zu mustern.

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