Geschichte des Häkelns – Teil 2

Im frühen 19. Jahrhundert setzte sich das Häkeln zunächst in Großbritannien, den USA und Frankreich als kostengünstiger Ersatz für  gewebte und geklöppelte Spitzen durch. Obwohl gehäkelte Spitzen mehr Garn benötigen als gewebte Spitzen, sind sie schneller und einfacher herzustellen. Bis zum Anfang der 1840er Jahre wurden Anleitungen zur Häkelarbeit von Eleanor Riego de la Branchardiere und Francis Lambert veröffentlicht. Ab 1840 wurde Häkelarbeit zu einer alternativen Heimindustrie, besonders dort wo der traditionelle Lebensunterhalt  von Gemeinschaften durch Kriege oder  Missernten  aus dem Gleichgewicht geraten war.  Während der großen irischen Hungersnot (1845-1849) lehrten Ursulinenschwestern Frauen und Kindern die Häkelarbeit. Diese Produkte wurden dann in ganz Europa und Amerika karitativ verkauft. Gleichzeitig wurde das Häkeln jedoch hierdurch auch stigmatisert. Wer sich das teure Statussymbol Spitzen leisten konnte, betrachtete Häkelarbeiten mit Herablassung. Dies änderte sich erst nachdem Königin Victoria demonstrativ irische Häkel-Spitzen kaufte und selbst das Häkeln erlernte.

Mit dem Ende des Viktorianischen Zeitalters in den 1890er Jahren änderte sich das Bild weiter. Gehäkelte Spitzen aus der Zeit Edwards VII – zwischen 1910 und 1920 – wurden zunehmend komplexer und kunstvoller.  Der neue Stil verlangte nach weißen oder blassen Fäden, und die kräftigen viktorianischen Farben verschwanden nach und nach. Auch Taschen und Geldbeutel, oft aus heller Seide gehäkelt und mit Perlen versehen, kamen in Mode. Ab Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Anfang der 1960er vollzog sich ein Wiederaufleben des Interesses an Haushandwerk, mit neuen und fantasievollen Designs für bunte Zierdeckchen und andere Haushaltsgegenstände. Das Handwerk blieb in erster Linie eine Kunst der Hausfrau, bis zum Ende der 1960er Jahre, als die neue Generation die Häkelarbeit für sich entdeckte. Heute gibt es viele ausführliche Bücher mit unzähligen Mustern und Vorlagen.

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